Das Menetekel der Menschheit oder Die Kriminologie des nuklearen Wahnsinns

Am 6.08.2105 gedenken weltweit Menschen der Opfer von Hiroshima und Nagasaki. Noch 70 Jahre nach „Little Boy“ und „Fat-Man“ leidet die Umwelt unter den Auswirkungen der radioaktiven Verstrahlung.  Es war anzunehmen, dass Menschen aus diesem vernichtenden Desaster lernen. Das Gegenteil ist der Fall und  einleitend Albert Einstein zu zitieren:

„Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle bauen.“

„Um uns zu besiegen, muss man uns alle töten. Aber man kann nicht 100 Millionen Menschen totschlagen, deshalb sind wir unbesiegbar!“ So tönte es von der japanischen Generalität  in der Kriegspropaganda. Wie verwundbar tatsächlich Japan war, zeichnete sich jedoch bereits im April 1942 ab. 13 B-25 Bomber „Mitchell“ vom Flugzeugträger Hornet bombardierten Tokio. Das Fehlen jeglicher Luftabwehrmaßnahmen, Flugabwehrkanonen, schwache Luftsuchscheinwerfer und eine äußerst schwache Radartechnologie machten eine solide Abwehr unmöglich. Solche Tiraden mit dem Tenor der Unbesiegbarkeit stärkten die Amerikaner in der Annahme, dass ein blutiger Endkampf auf den japanischen Inseln zu erwarten war. John Mc. Cloy[1], damals Staatssekretär im US -Verteidigungsministerium hielt das ganze Gerede über eine Invasion Japans für schlicht phantastisch. In einer Kabinettssitzung am 1. Juli 1945 wandte er sich Präsident Truman zu: „Warum nehmen Sie nicht einfach eine Atombombe?“. Mit dem Ziel, den Widerstandswillen der japanischen Führung und ihrer Streitkräfte zu brechen, befahl der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Präsident Truman den Einsatz von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Am 13. Juli 1945 wandte sich die Regierung Japans an die Sowjetunion, um  Friedensverhandlungen einzuleiten. Der japanische Botschafter in der Schweiz Shunichi Kase und der Militärattaché General Okamoto baten im Namen des Kaiserlichen Generalstabs Allan Welsh Dulles[2]  einen Waffenstillstand an. Die einzige Bedingung Japans war, dass die Person des Tennõ (Kaiser) nicht angetastet wird.  Eine Serie von Niederlagen der japanischen Streitkräfte zu Wasser und zu Land war zu vermerken. Luftangriffe auf das japanische Kernland zerstörten Industriezentren und die japanische Kriegsflotte war nahezu vernichtet. In den ersten Augusttagen 1945 war die Lage Japans hoffnungslos.

Anfang des Jahres 1945 war die Fertigstellung der später genannten „Trinity- Bombe“ fast beendet und es wurde an zwei weiteren Bomben gearbeitet. Zwei Milliarden Dollar hatte man für die Entwicklung der Atombombe ausgegeben. Das entspricht einer heutigen Kaufkraft von ca. 25,8 Milliarden USD. Nun galt es dem Kongress ein Resultat vorzulegen.  Nach dem Tode Präsident Roosevelt am 12. April 1945 übernahm Harry S. Truman am 16. April das Amt des Präsidenten. Erst am 25. April wurde er vom Kriegsminister Henry L. Stimson[3], Außenminister James F. Byrnes[4] und dem Leiter General Leslie R. Groves[5] vom Bau der Atombombe unterrichtet.  Auf Anweisung Trumans bildete sich ein Interim-Komitee. Politiker, Militärs und Wissenschaftler, darunter Oppenheimer und Fermi, komplettierten diese Sachverständigenkommission. Atombombe „Little Boy“ war nach der Entdeckung der Kernspaltung von Otto Hahn  für Deutschland vorgesehen, denn man vermutete durch dieses Erkenntnis das Deutsche Reich baue an einer solchen, aber Deutschland kapitulierte am 8. Mai 1945 und so empfahl das Komitee dem Präsidenten Truman die Atombombe gegen Japan einzusetzen und das ohne Vorwarnung. Ein wissenschaftlicher Protest des Ingenieurs Oswald C. Brewster landete im Oval Office unter anderem mit den Zeilen: „Dieses Ding darf auf Erden nicht zugelassen werden. Wir dürfen nicht das meistgehasste und meistgefürchtete Land der Erde werden, wie gut unsere Absichten auch sein mögen.“ Andere Beteiligte des Manhattan Projects waren auch gegen den Überraschungsangriff auf Japan. Der Franck-Report[6] forderte den amerikanischen Kriegsminister Stimson am 11. Juni auf, die Waffe öffentlich zu demonstrieren und erst danach Japan ein Ultimatum zu stellen. Er beharrte jedoch darauf die Waffe sofort militärisch einzusetzen.

Noch nie zuvor wurden Atombombenversuche gestartet. Am 16. Juli 1945 um 5.30 Uhr Ortszeit zuckte in der Nähe der Stadt Alamogordo (New Mexico, USA) auf dem White Sands Missile Range Gelände unter dem Namen Trinity-Test der erste Atomblitz in den Himmel. Die schrecklichste aller Massenvernichtungswaffen war erprobt. Die Bombe war mit Plutonium bestückt und besaß eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT. Bis zu  10 Millionen Grad Celsius im Feuerball, eine mögliche Druckwelle von 1000 km/h und radioaktive Strahlung verseuchten das Gelände mit dem Namen „Jornada del Muerto“ (Wegstrecke des Toten) bis heute. Die Büchse der Pandora war geöffnet, das Atomzeitalter begann und die USA war entschlossen die neue Waffe zu benutzen, um ihre Macht zu demonstrieren.

Am 6. August 1945  geschah das Unfassbare.  Colonel Paul Tibbets[7]  startete um 2:45 Uhr von einer der größten Militärflugbasen des zweiten Weltkrieges im Pazifik:  Tinian.  Mit einer Besatzung von 12 Mann mit dem  nach seiner Mutter benannten B-29 Bomber „Enola Gay“. An Bord befand sich „Little Boy“, entwickelt ab 1942 im Manhattan Project. Mit Uran bestückt besaß die Bombe eine Sprengkraft von ca. 13 Kilotonnen TNT. Erst an Bord setzte Tibbets seine Mannschaft über den Befehl in Kenntnis. Von Radioaktivität erfuhren die Männer nichts. Hiroshima war das Primärziel, strategisch unwichtig mit ca. 255.000 Zivilisten, davon 10% koreanische und chinesische Zwangsarbeiter, rechnete niemand mit einem Angriff. Tibbets flog ein Tarnmanöver, er umkreiste Hiroshima einige Male, flog dann weiter nach Osten, kreiste über Harimanada. Dann erfolgte der Zielanflug über das japanische Binnenmehr zurück nach Hiroshima. Kurz vor der Küste musste der Waffenoffizier Captain William „Deak“ Parsons  in 10.000 Metern Höhe bei minus 50° C die Bombe scharfmachen. Der Zielanflug  auf die große Brücke über dem Fluss Ota gelang. Um 8:45 Uhr wurde der Bombenschacht geöffnet. An drei Fallschirmen schwebte die drei Meter lange Bombe 45 Sek. lang auf Hiroshima zu und detonierte im grellsten Licht 570 Meter über dem Shima-Krankenhaus mit einer Hitzeentwicklung von 55 Millionen Grad. Nach der unbeschreiblichen Feuersbrunst raste eine Druckwelle im gigantischen Ausmaß über die Stadt, um als ebenso starke Sogwelle wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukehren. Danach regneten die radioaktiven Partikel über einen längeren Zeitraum auf Menschen, Tiere und auf die Umgebung nieder. „Little Boy“ tötete 80.000 Menschen sofort, weitere 50.000 in Minuten, Stunden oder auch Tage später. Die ersten fielen dem Feuerzyklon zum Opfer, die Letzten als Opfer der Strahlung. Die Bombe mordete 90% der Menschen in einem Radius von 0,5 km und noch 59% im weiteren Umkreis bis zu einem Kilometer.  Alle Verbindungen nach Tokio waren gekappt. Niemand konnte Tokio diesen Vorfall melden. Stunden später meldeten Militärstützpunkte aus der Umgebung eine gewaltige Explosion mit unbekannter Ursache. Sogenannte Frühtodesfälle zählten bis 1946 insgesamt bis zu 166.000 Tote. Bis heute sterben Menschen in Folge der atomaren Verstrahlung an Krebs.

Dienstag, der 7. August 1945! Der amerikanische Präsident Truman berichtete vom Kreuzer USS Augusta der Welt von Hiroshima. Er ließ in seiner Ansprache keine Zweifel, dass die USA mehr von diesen Waffen besitzt und weitere erforscht werden. Er bemerkte weiter: „ Die Kraft, die aus der Sonne Macht bezieht, ist auf diejenigen losgelassen worden, die dem Fernen Osten Krieg brachten.“ Er forderte die totale Kapitulation und mahnte: „Wenn sie unsere Bedingungen nicht akzeptieren, dann mögen sie einen Regen der Zerstörung aus der Luft erwarten, wie er noch nie auf der Erde gesehen worden ist.“ Truman informierte in keinster Weise bis wann die weitere nukleare Apokalypse vollzogen werden sollte.

Die Japaner brauchten Tage, um sich das Ausmaß in Hiroshima zu erfassen. Außerdem hofften sie immer noch auf die Unterstützung Stalins für die Friedensverhandlungen. Jedoch Stalin erklärte am 8. August Japan den Krieg und griff mit der Operation Auguststurm die Mandschurei an. Er hatte  Interesse sich einen Teil der Beute zu sichern. Damit erfüllte er den geheimen Pakt, den er noch mit Roosevelt geschlossen hatte, auf den Tag genau. Nämlich 90 Tage nach Kriegsende in Europa in Fernost den Krieg zu beginnen und Japan und seine Verbündeten anzugreifen. Das sowjetische Atomwaffenprogramm wurde bis zu diesem Zeitpunkt nicht beachtet. Nach Hiroshima und Nagasaki erhielt der Physiker Igor Kurtschatow von Stalin den Auftrag bis 1948 eine Atombombe zu bauen. Der Geheimdienstchef Lawrenti Berija wurde zum Leiter des russischen Atomwaffenprogramms.

Außenminister Shigenori Togo drängte auf den Friedensschluss. Am 9. August 1945 um 11:00 Uhr, zwei Minuten vor der Zündung der mit Plutonium bestückten Fat-Man-Bombe über Nagasaki, die mit einer wesentlich höheren Sprengkraft von 21 Kilotonnen bis 1949 geschätzte 150.000 Tote forderte, legten die Japaner ihr Friedensangebot der USA vor. Bis 1950 war die Zahl der Opfer von Hiroshima und Nagasaki auf 230.000 gestiegen. Hauptsächlich war die Primärverstrahlung die Ursache. Es waren bisher die einzigen Atombomben die in bestialischer Weise Menschen und das Land mit dem nuklearen Fall Out über Generationen kontaminierten.

Die Forschung war gigantisch. Die Bomben wurden kleiner und effizienter und führten zur Entwicklung der Wasserstoffbombe. Der erste Test der Wasserstoffbombe mit dem Codenamen „Ivy Mike“ erfolgte in der Nacht 31.10. 1952 auf den 1.11.1952 mit einer satanischen Sprengkraft von 10,4 Megatonnen. Das entsprach dem 800-fachen von „Little Boy“, der Hiroshimabombe .Viele Milliarden wurden bis heute in diese Forschung investiert. Inzwischen gibt es neun Atommächte. Allen voran seit 1945 die USA, ab 1949 Russland und es folgten England, Frankreich, China, Israel, Indien Pakistan und 2006 Nordkorea. Zahlreiche Atomwaffentests sind die Folge.

Land Erster Atomtest Anzahl der Sprengsätze
USA 1945 7260
Russland 1949 7500
England 1952 215
Frankreich 1960 300
China 1964 260
Israel 1967 80
Indien 1974 110
Pakistan 1998 120
Nordkorea 2006 8

Die NATO-Luftwaffenstützpunkte mit Kernwaffen sind:

Großbritannien, Niederlande, Belgien, Deutschland, Italien, Griechenland und die Türkei.

Zwischen den Jahren 1950 und 1980 wurden 32 Unfälle der USA mit Kernwaffen bekannt. Bei Notlandungen mussten die Kernwaffen von Bord geworfen werden. Im Ozean hat man diese nuklearen Bomben nie wieder gefunden.  Offiziell vermissen die USA elf Bomben, radioaktive Strahlung hat man in vielen Fällen festgestellt. Ob Russland oder andere Atommächte Verluste zu verzeichnen haben ist nicht bekannt, aber mehr als wahrscheinlich.

Einstein schrieb in Bezug auf Massenvernichtungswaffen: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“  Die Büchse der Pandora wurde durch die USA geöffnet und durch andere Länder mit der dümmlichsten Arroganz des Wettrüstens weiter aufgebrochen. In der Sage öffnete  Pandora die Büchse nochmal und es entwich die Hoffnung, doch diese stirbt bekanntlich zuletzt!

Petra Becker

[1] John Jay McCloy (* 31. März 1895 in Philadelphia, Pennsylvania; † 11. März 1989 in Stamford, Connecticut) war ein US-amerikanischer Jurist, Banker, Lobbyist, Politiker und Präsidentenberater. McCloy war nach 1945 maßgeblich am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Nachkriegsdeutschlands beteiligt. Auf Grund seiner engen Verflechtungen mit Politik und Wirtschaft galt McCloy als „Vorsitzender des amerikanischen Establishments“ und wurde vom renommierten Harpers Magazine als „einflussreichste Privatperson Amerikas“ bezeichnet. McCloy fungierte unter anderem als Offizier im Ersten Weltkrieg, als Rechtsberater der I.G. Farben, als Staatssekretär des US-Kriegsministers während des Zweiten Weltkrieges, war als Hoher Kommissar höchster Vertreter der alliierten Siegermächte in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland, war nach Eugene Meyer der zweite Präsident der neu gegründeten Weltbank, Vorstandsvorsitzender von Rockefellers Chase Manhattan Bank, Vorstand bei Mercedes-Benz Nordamerika, Gulf Oil, United Fruit Company, AT&T, Westinghouse Electric, dem Pharmakonzern E.R. Squibb & Sons, dem heutigen Mischkonzern Honeywell, sowie Vorstandsvorsitzender der Ford Foundation und Ehrenvorsitzender der privaten Denkfabrik zur Gestaltung der amerikanischen Außenpolitik Council on Foreign Relations.

McCloy gründete 1952 mit dem deutsch-amerikanischen Bankier Eric M. Warburg den American Council on Germany und die Atlantik-Brücke.

[2] Allen Welsh Dulles (* 7. April 1893 in Watertown, Jefferson County, New York; † 29. Januar 1969 in Washington, D.C.) war von 1953 bis 1961 einflussreicher Direktor der CIA und ein Mitglied der Warren-Kommission. Allen Welsh Dulles, der als Chefagent des OSS in Bern innerhalb kurzer Zeit ein Agentennetz über ganz West- und halb Osteuropa aufgezogen hatte, wird neuer CIA-Direktor der Regierung Eisenhower, und sein Bruder John Foster Dulles wird Aussenminister. Von 1937 bis 1943 war Allen Dulles Direktor der Schroeder Bank, die Hitler finanzierte. Deshalb hat er zeitlebens beste Beziehungen zur Wall Street und zum Zirkel von Morgan, Rothschild, Hambros, Baring und Eugene Meyer. Dulles war außerdem der jüngere Bruder von John Foster Dulles, ab 1953 Außenminister der Vereinigten Staaten. Ende der 1940er-Jahre wurde Dulles Präsident des Council on Foreign Relations (CFR), einer Beratungsgesellschaft für US-amerikanische Außenpolitik, über die nur äußerst selten in den Medien berichtet wird. 1948 war er Vorstand im American Committee for a United Europe. Auf ihn ging die durch private Spenden und vom US-Kongress finanzierte Initiative für Radio Free Europe zurück, das in den Sowjetblock sendete, sowie die verdeckte Finanzierung von antikommunistischen Medien, etwa der Zeitung Der Monat, die auch zu einem Forum links eingestellter Intellektueller gegen den stalinistischen Kommunismus wurde. Sowjetische Medien griffen Dulles immer wieder an.

[3] Henry Lewis Stimson (* 21. September 1867 in New York City; † 20. Oktober 1950 in Huntington, New York) war ein US-amerikanischer Politiker. Er war u. a. Kriegsminister (Secretary of War) und Außenminister (Secretary of State) der Vereinigten Staaten. Zehn Tage vor dem Angriff auf Pearl Harbor trug er im November 1941 in sein Tagebuch die vieldiskutierte Bemerkung ein, dass er angesichts drohender feindlicher Auseinandersetzungen mit Japan mit Präsident Roosevelt diskutiert habe, wie die Japaner dazu zu bringen wären, den ersten Schuss abzugeben, ohne die USA zu großen Gefahren auszusetzen. 1976 als Buch erschienen, verschwand es später aus den Bibliotheken der Welt, Fotokopien sind jedoch erhalten. Auf Drängen Stimsons wurde 1945 die alte japanische Kaiserstadt Kyōto, die er einst selbst besucht hatte und um deren Bedeutung als kulturelles Zentrum Japans er wusste, von der Liste der Ziele für die Atombombenabwürfe gestrichen. Stattdessen wurde Nagasaki in die Liste eingefügt. Nach Stimson wurde das U-Boot USS Henry L. Stimson benannt. Auch die Stimson Memorial Chapel in Bonn trägt seinen Namen.

[4] James Francis Byrnes (* 2. Mai 1879 in Charleston, South Carolina; † 9. April 1972 in Columbia, South Carolina) war ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Er war von 1945 bis 1947 Außenminister der Vereinigten Staaten und von 1951 bis 1955 Gouverneur von South Carolina. Präsident Harry S. Truman berief ihn am 3. Juli 1945 als Außenminister in sein Kabinett. In seiner zweijährigen Amtszeit war er unmittelbar am Weltgeschehen jener Tage beteiligt. Er nahm 1945 an der Potsdamer Konferenz und 1946 an der Pariser Friedenskonferenz teil. Zudem trug er maßgeblich zur Entscheidung Trumans zum Abwurf der ersten Atombombe auf Japan bei, indem er den Präsidenten zu diesem Schritt ermunterte. Obwohl sie außenpolitisch einer Meinung waren, kam es zwischen dem Präsidenten und Byrnes zu persönlichen Spannungen, die im Januar 1947 zu Byrnes’ Rücktritt führten.

[5] Leslie Richard Groves (* 17. August 1896 in Albany, New York; † 13. Juli 1970) war ein Lieutenant General der US Army und militärischer Leiter der Entwicklung der ersten Atombombe im sogenannten Manhattan-Projekt. Während seiner Dienstzeit als stellvertretender Leiter für Bauvorhaben der Pioniertruppen war er maßgeblich am Bau des Pentagon unter seinem Vorgesetzten Lieutenant General Brehon Somervell beteiligt. Dieser schlug ihm 1942 wegen seiner organisatorischen Begabung im Auftrage der politisch Verantwortlichen Vannevar Bush und James Bryant Conant vor, ein geheimes neuartiges militärisches Nuklear-Waffenentwicklungsprojekt zu übernehmen. Damit wurde er der Hauptverantwortliche für eines der größten Projekte der US-amerikanischen Militärgeschichte, den Bau der ersten Atombombe, das von Groves selbst mit der unverfänglichen Bezeichnung „Manhattan Engineering District (MED)“, später nur noch bezeichnet als Manhattan-Projekt, versehen wurde. Insgesamt waren an dem Projekt 150.000 Personen beteiligt, davon 14.000 Wissenschaftler und Ingenieure, bei einem Gesamtkostenaufwand von zwei Milliarden US-Dollar. Die Kosten entsprachen also weniger als einem Tausendstel der gesamten US-amerikanischen Kriegsausgaben des Zweiten Weltkriegs von drei Billionen US-Dollar. Als oberster militärischer Entscheidungsträger des Manhattan-Projekts rekrutierte er unter strengster Geheimhaltung für die Großforschungsanlage Los Alamos National Laboratory in Los Alamos bei Santa Fé, New Mexico unter Anleitung des Physikers Robert Oppenheimer zahlreiche führende Wissenschaftler, Physiker, Chemiker und Ingenieure (u.a. Leo Szilard, Edward Teller, Enrico Fermi, Eugene Wigner) zur technischen Entwicklung der ersten Atombombe. An weiteren von Groves neu etablierten Großforschungsanlagen in Oak Ridge, westlich von Knoxville Tennessee (Oak Ridge National Laboratory; ORNL) wurde die Uran-Aufbereitung mit Abtrennung des spaltbaren Uran-Isotops Uran 235 mittels Gas-Diffusion entwickelt. An dem großen neuen Großforschungszentrum Hanford Site bei Pasco, Washington wurde spaltbares Plutonium-239 in speziell entwickelten Reaktoren „erbrütet“. Das gesamte Programm des Manhattan-Projekts umfasste insgesamt 37 geheime Einrichtungen in 19 US-Bundesstaaten, z.T. in Zusammenarbeit mit Einrichtungen in England.

[6] Der Franck-Report vom Juni 1945, benannt nach James Franck, sprach sich gegen die Anwendung der Atombombe im Krieg gegen Japan aus, da dadurch die USA den „öffentlichen Beistand in der Welt verlieren“ und „das Wettrüsten heraufbeschwören“ würden. Stattdessen wurde empfohlen, die „neue Waffe“ den Repräsentanten aller Länder der Vereinten Nationen auf unbewohntem Gebiet zu demonstrieren.

Verfasst wurde der Franck-Report von einer Gruppe von Wissenschaftlern (Committee on Political and Social Problems) der Universität von Chicago, die am Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe beteiligt waren. Am 12. Juni 1945, also knapp zwei Monate vor dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima, wurde der Report dem stellvertretenden US-Verteidigungsminister Georg Harrison in Washington übergeben.

Neben dem Vorsitzenden James Franck wurde der Report von folgenden Personen unterzeichnet:

  • Donald J. Hughes
  • James Joseph Nickson
  • Eugene Rabinowitch
  • Glenn Theodore Seaborg
  • J. C. Stearns
  • Leó Szilárd

[7] Paul Warfield Tibbets, Jr. (* 23. Februar 1915 in Quincy, Illinois; † 1. November 2007 in Columbus, Ohio) war ein US-amerikanischer Pilot der Luftstreitkräfte. Er leitete am 6. August 1945 den Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima.

„Ich bin nicht stolz darauf, dass ich 80.000 Menschen umgebracht habe – aber darauf, dass ich mit nichts angefangen habe, es plante und dass es dann so perfekt funktionierte.“ – Interview von 1975, zitiert von der Sächsischen Zeitung vom 3./4. November 2007, S. 27. sz-online (Original englisch: „I’m not proud that I killed 80,000 people, but I’m proud that I was able to start with nothing, plan it and have it work as perfectly as it did.“ – Zitiert im Nachruf der Daily Mail 2. November 2007)

„Ja, ich würde es wieder tun, wenn die Kriegslage und die Umstände genau dieselben wären.“ – zitiert von der Sächsischen Zeitung vom 3./4. November 2007, S. 27. sz-online